Informationen zum Autismus-Spektrum und verwandten Themenbereichen

Hinweis: Für Menschen, denen es schwerfällt, umfangreiche Texte zu erfassen, oder für alle, die sich einen kompakten Überblick über die Autismus-Spektrum-Störung wünschen, steht unten auf dieser Seite ein Video mit einer kurzen Einführung in die Autismus-Spektrum-Störung zur Verfügung. Das Video ist in folgenden Sprachen verfügbar: Deutsch, Russisch, Englisch, Polnisch, Spanisch, Türkisch und Arabisch.

Was ist eine Autismus-Spektrum-Störung?


Eine Autismus-Spektrum-Störung (ASS) ist eine tiefgreifende neuronale Entwicklungsstörung (DSM5; ICD-11) von der ca. 1-2 Prozent der Bevölkerung betroffen sind.  Nach klinischer Definition sind Autismus-Spektrum-Störungen durch soziale- und kommunikative Probleme sowie durch eingeschränkte Interessen/ stereotype Verhaltensweisen gekennzeichnet.

Autismus als Superkraft?


In den sozialen Medien wird Autismus zunehmend als eine "Superkraft" oder lediglich als eine "andere Art der Wahrnehmung" beschrieben. Diese positiv konnotierten Narrative zielen häufig darauf ab, Stigmatisierungen entgegenzuwirken und neurodivergente Perspektiven wertzuschätzen. Die Darstellung der ASS als besondere Begabung oder alternative Wahrnehmungsform wird den erheblichen und alltäglichen Herausforderungen, mit denen Menschen aus dem Autismus-Spektrum konfrontiert sind, jedoch nicht gerecht. Viele Autist:innen lehnen die Bezeichnung als "Superkraft" ab, da sie ihre reale Belastung und ihre alltäglichen Herausforderungen unsichtbar machen kann. Eine ausschließlich positive Rahmung birgt das Risiko, Unterstützungsbedarfe zu relativieren und strukturelle Barrieren  zu unterschätzen.  Eine differenzierte Betrachtung, die sowohl die individuellen Stärken als auch die relevanten Herausforderungen und damit einhergehenden Behinderungen anerkennt, ermöglicht eine realistische und faire Einordnung von Autismus und wird den tatsächlichen Lebensrealitäten von Autist:innen eher gerecht.

Diagnosekriterien ASS - DSM5

In der fünften Version des diagnostischen und statistischen Leitfadens für die psychischen Störungen (DSM5) werden die Diagnosekriterien einer ASS beschrieben, die inhaltlich weitgehend mit den Kriterien einer ASS in der ICD-11 übereinstimmen.


Die Diagnosekriterien sind in der DSM5 in zwei Gruppen gegliedert:


  • A-Kriterien: soziale- und kommunikative Probleme (3 von 3 müssen erfüllt sein)
  • Defizite in der sozial-kommunikativen Gegenseitigkeit und verbalen Kommunikation
  • Defizite in der non-verbalen Kommunikation
  • Defizite Beziehungen einzugehen und diese zu verstehen und aufrecht zu erhalten


  • B-Kriterien: eingeschränktes Interesse/ repetitive Verhalten (mindestens 2 von 4 müssen erfüllt sein)
  • Besonderheiten in Bewegungsabläufen, in der Verwendung von Gegenständen oder der Sprache
  • Rituale, Routinen und Probleme mit Veränderungen
  • Spezialinteressen mit abnormer Intensität
  • Hyper- oder Hyposensitvität


In der DSM5 und ICD-11 werden, anders als noch in der ICD-10, keine trennscharfe Unterteilung zwischen dem frühkindlichen Autismus, dem Asperger-Syndrom und dem Atypischen Autismus vorgenommen. Stattdessen wird zusammenfassend von einer Autismus-Spektrum-Störung gesprochen, da die Grenzen in der Realität fließend verlaufen.

Autistisches Masking (Maskieren)

Bei autistischem Masking handelt es sich um das unbewusste oder bewusste Verbergen/ Unterdrücken der individuellen autistischen Merkmale, um (sozial) unauffällig zu wirken.

Klassische Strategien des Maskings sind u.a. das Nachahmen von Mimik und Gestik, das Unterdrücken von selbststimulierenden Verhaltensweisen, das Erzwingen von sozialem Blickkontakt, Skripte für Gespräche vorbereiten, uvm. Das Maskieren fordert einen hohen kognitiven Aufwand und führt nicht selten zu Erschöpfung, Reizüberflutung, Anspannung oder Angst. Kurzfristig kann das Masking soziale Anpassung ermöglichen, langfristiges Maskieren stellt es jedoch eine starke psychische Belastung dar, die fatale Folgen für Autist:innen haben kann. Nicht selten kommt es dann zu chronischem Stress, Depressionen, Angststörungen, Identitätsunsicherheit, uvm.

Stimming (selbstregulierende Verhaltensweisen)

Der Begriff Stimming bezeichnet sich wiederholende, selbstregulierende Bewegungen, Geräusche oder Handlungen. Es dient der Selbstregulation und hilft vielen Autist:innen dabei Reizüberflutungen zu verarbeiten, Stress oder starke Emotionen abzubauen, Konzentration zu fördern, uvm.

Stimming stellt, insofern es ist nicht unbeabsichtigt selbst- oder fremdgefährdend ist, kein Verhalten dar, das verändert werden sollte. Es handelt sich vielmehr um eine adaptive Strategie zur sensorischen und emotionalen Regulation.

Von der Überlastung zum "Wutausbruch" - Overload, Meltdown und Shutdown

Pathological Demand Avoidance (PDA)

Bei der "Pathological Demand Avoidance" (PDA) handelt es sich um ein Konzept, welches aktuell kontrovers in der Wissenschaft und Gesellschaft diskutiert wird. PDA ist weder als eigenständige Diagnose noch als Subtyp der Autismus-Spektrum-Störung einzuordnen. Es handelt sich vielmehr um ein Verhaltensprofil, dass bei unterschiedlichen psychischen Störungsbildern auftreten und deren Verlauf negativ beeinflussen kann. PDA ist demnach als Bestandteil eines multifaktoriellen Störungsmodells zu verstehen, in dem nicht nur individuelle Merkmale der betroffenen Personen relevant sind, sondern ebenso das Verhalten der Erziehungs- und Bezugspersonen sowie mögliche eigenen psychische Belastungen dieser. 

Von zentraler Bedeutung sind die Reaktionsweisen von Interaktionspartner:innen auf das Verhaltensprofil sowie die individuellen Behandlungsentscheidungen.


Quelle: Kamp-Becker, I., Schu, U. & Stroth, S. (2023). Pathological Demand Avoidance - Forschungsstand und kritische Diskussion. hogrefe eContent

Der Mythos um die Masern, Mumps & Röteln (MMR) Impfung

Fälschlicherweise wird die MMR Impfung noch heute als möglicher Auslöser für eine ASS dargestellt. Andrew Wakefield et al. publizierten 1998 eine mangelhafte und gefälschte Studie mit bedenklichen finanziellen Interessen in der Fachzeitschrift "The Lancet". Die Studie wurde bereits vor einigen Jahren zurück gezogen. Die meisten Mitautor:innen distanzieren sich öffentlich von der Studie. Andrew Wakefield verlor seine Approbation und hat in Großbritannien ein Berufsverbot.

Weitere Informationen und Hintergründe zur gefälschten Studie können Sie unter folgendem Link einsehen: 


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Videos zur Einführung in die Autismus-Spektrum-Störung in verschiedenen Sprachen

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